Der Hund, den niemand wollte – bis er ein Leben rettete
Aljona beendete gerade ihre Skitour. Es waren bestimmt zwanzig Grad Frost, ihre Wangen brannten und die Wimpern waren vor Kälte zusammengefroren. Sie freute sich schon auf heißen Tee, Ruhe und vielleicht eine halbe Stunde mit einem Buch, während Mascha schläft.
Doch im Waldpark, drei Blocks vor ihrem Haus, hörte sie ein leises Winseln. Ganz leise, kaum hörbar. Sie blieb stehen, sah sich um. Spuren im Schnee führten von der Loipe weg, dorthin, wo alte Birken dicht wie eine Wand standen. Aljona verließ die Spur.
Der Hund lag an einer Birke. Rot, klein, mit einem zerrissenen Halsband, an dem eine Schnur befestigt war. Das andere Ende war um den Baum gewickelt und festgefroren. Der Hund hob nicht einmal den Kopf. Er sah sie nur kurz mit trüben Augen an und starrte wieder in den Schnee.
Jemand hatte ihn angebunden und war gegangen.
Aljona dachte in diesem Moment nicht darüber nach. Sie öffnete ihre Jacke, nahm ihren Wohnungsschlüssel und begann, die Schnur vom Baum zu lösen. Der Hund bewegte sich kaum. Erst als Aljona ihn an sich drückte, zuckte er leicht zusammen.
Zu Hause öffnete Sergej die Tür und sah seine Frau – nass, voller Schnee und mit diesem roten Hund neben ihr.
„Was ist das?“ fragte er.
„Sie ist fast erfroren. Man hat sie an einen Baum gebunden.“
„Aljona… wir haben ein Kind. Das ist kein Tierheim.“
„Ich weiß. Ich finde neue Besitzer. Gib mir eine Woche.“
Sergej trat zur Seite. Er verstand, dass es im Moment sinnlos war zu diskutieren. Aljona trug den Hund bereits in die Küche, legte eine alte Decke hin und stellte warmes Wasser hin.
Die kleine Mascha kam in die Küche, blieb in der Tür stehen und flüsterte: „Hündchen… wird sie bei uns wohnen?“
„Nein“, sagte Aljona leise. „Nur für kurze Zeit. Wir suchen neue Besitzer.“
Mascha setzte sich neben die Decke und betrachtete den Hund lange. Dann sagte sie ernst: „Sie ist traurig. Du musst keine Angst haben. Wir sind nett.“
Der Hund wedelte ganz schwach mit dem Schwanz.
Die nächsten Tage tat Sergej so, als gäbe es den Hund nicht. Morgens ging er schweigend durch die Küche, trank seinen Kaffee und wartete darauf, dass Aljona ihr Versprechen einhielt und einen neuen Besitzer fand.
Doch niemand meldete sich.
Nach zwei Wochen begann der Hund, die Wohnung vorsichtig zu erkunden. Erst die Küche, dann den Flur. Eines Tages stand sie an der Zimmertür und schaute hinein, als würde sie um Erlaubnis fragen.
Mascha hatte ihr inzwischen einen Namen gegeben.
„Laima“, sagte sie beim Abendessen. „Ich habe mir einen Namen ausgedacht. Sie heißt Laima.“
„Mascha“, sagte Sergej, „sie bekommt bald neue Besitzer. Wir sollten ihr keinen Namen geben.“
„Aber sie ist doch jetzt hier. Und sie braucht einen Namen.“
Er schwieg. Dagegen konnte er nichts sagen.
Mit der Zeit wurden Mascha und Laima unzertrennlich. Nach dem Kindergarten lief das Mädchen sofort zu dem Hund, erzählte ihr Geschichten, malte neben ihr Bilder. Laima lag einfach daneben und hörte zu.
Die Spannung in der Wohnung wuchs trotzdem. Sergej sagte nichts, aber jeder wusste, dass die Situation nicht ewig so bleiben konnte.
Dann kam der März.
An einem Sonntag gingen sie alle zusammen in den Hof spazieren. Die Schneehaufen am Straßenrand waren über den Winter riesig geworden. Mascha sah sofort einen besonders großen Haufen.
„Papa, schau mal! Ein Berg!“
„Mascha, geh da nicht hoch“, sagte Sergej.
Doch sie kletterte schon, lachte, rutschte, kletterte wieder. Mit der Furchtlosigkeit eines Kindes.
Sie erreichte den Gipfel, breitete die Arme aus und lachte laut. Und dann rutschte sie herunter – aber nicht zur Hofseite, sondern zur Straße.
Alles passierte in einer Sekunde.
Ein Auto kam um die Ecke. Zu schnell. Der Fahrer hatte das Kind nicht gesehen. Aljona schrie. Sergej rannte los. Aber sie waren zu weit weg.
Und in diesem Moment sprang Laima los.
Ohne ein Geräusch. Sie schoss von dem Gehweg auf die Straße, prallte mit voller Wucht gegen Mascha und stieß sie zurück in den Schnee, hinter den Bordstein.
Das Auto fuhr vorbei – vielleicht einen Meter entfernt.
Mascha saß im Schnee und blinzelte. Laima stand neben ihr und atmete schwer.
Sergej rannte zu seiner Tochter, fiel auf die Knie, nahm sie in die Arme. Dann stand er auf, ging zu dem Hund, kniete sich vor ihn in den nassen Schnee und nahm vorsichtig seinen Kopf in die Hände.
Er schwieg lange und sah ihm in die Augen.
Dann sagte er leise:
„Wo kommst du nur her…“
Laima seufzte und leckte ihm vorsichtig über die Wange.
Am Abend stellte Sergej eine Schüssel mit Fleisch vor den Hund. Er stand daneben und sah zu, wie sie fraß.
Als Aljona später in die Küche kam, sagte er nur einen Satz:
„Du kannst die Anzeige löschen. Sie wird nirgendwo hingehen.“
Aljona konnte nichts sagen.
Sergej sah aus dem Fenster und sagte ruhig:
„Jetzt ist sie zu Hause.“
Am nächsten Tag lag im Flur ein neues Halsband. Blau, mit einer glänzenden Schnalle.
Mascha band es Laima um den Hals, ganz vorsichtig, mit herausgestreckter Zunge vor Konzentration.
Aljona kniete sich neben den Hund und flüsterte:
„So ist das also. Jetzt bist du wirklich zu Hause.“
Laima leckte ihr über die Nase.
Sie hatte alles verstanden.
Aljona beendete gerade ihre Skitour. Es waren bestimmt zwanzig Grad Frost, ihre Wangen brannten und die Wimpern waren vor Kälte zusammengefroren. Sie freute sich schon auf heißen Tee, Ruhe und vielleicht eine halbe Stunde mit einem Buch, während Mascha schläft.
Doch im Waldpark, drei Blocks vor ihrem Haus, hörte sie ein leises Winseln. Ganz leise, kaum hörbar. Sie blieb stehen, sah sich um. Spuren im Schnee führten von der Loipe weg, dorthin, wo alte Birken dicht wie eine Wand standen. Aljona verließ die Spur.
Der Hund lag an einer Birke. Rot, klein, mit einem zerrissenen Halsband, an dem eine Schnur befestigt war. Das andere Ende war um den Baum gewickelt und festgefroren. Der Hund hob nicht einmal den Kopf. Er sah sie nur kurz mit trüben Augen an und starrte wieder in den Schnee.
Jemand hatte ihn angebunden und war gegangen.
Aljona dachte in diesem Moment nicht darüber nach. Sie öffnete ihre Jacke, nahm ihren Wohnungsschlüssel und begann, die Schnur vom Baum zu lösen. Der Hund bewegte sich kaum. Erst als Aljona ihn an sich drückte, zuckte er leicht zusammen.
Zu Hause öffnete Sergej die Tür und sah seine Frau – nass, voller Schnee und mit diesem roten Hund neben ihr.
„Was ist das?“ fragte er.
„Sie ist fast erfroren. Man hat sie an einen Baum gebunden.“
„Aljona… wir haben ein Kind. Das ist kein Tierheim.“
„Ich weiß. Ich finde neue Besitzer. Gib mir eine Woche.“
Sergej trat zur Seite. Er verstand, dass es im Moment sinnlos war zu diskutieren. Aljona trug den Hund bereits in die Küche, legte eine alte Decke hin und stellte warmes Wasser hin.
Die kleine Mascha kam in die Küche, blieb in der Tür stehen und flüsterte: „Hündchen… wird sie bei uns wohnen?“
„Nein“, sagte Aljona leise. „Nur für kurze Zeit. Wir suchen neue Besitzer.“
Mascha setzte sich neben die Decke und betrachtete den Hund lange. Dann sagte sie ernst: „Sie ist traurig. Du musst keine Angst haben. Wir sind nett.“
Der Hund wedelte ganz schwach mit dem Schwanz.
Die nächsten Tage tat Sergej so, als gäbe es den Hund nicht. Morgens ging er schweigend durch die Küche, trank seinen Kaffee und wartete darauf, dass Aljona ihr Versprechen einhielt und einen neuen Besitzer fand.
Doch niemand meldete sich.
Nach zwei Wochen begann der Hund, die Wohnung vorsichtig zu erkunden. Erst die Küche, dann den Flur. Eines Tages stand sie an der Zimmertür und schaute hinein, als würde sie um Erlaubnis fragen.
Mascha hatte ihr inzwischen einen Namen gegeben.
„Laima“, sagte sie beim Abendessen. „Ich habe mir einen Namen ausgedacht. Sie heißt Laima.“
„Mascha“, sagte Sergej, „sie bekommt bald neue Besitzer. Wir sollten ihr keinen Namen geben.“
„Aber sie ist doch jetzt hier. Und sie braucht einen Namen.“
Er schwieg. Dagegen konnte er nichts sagen.
Mit der Zeit wurden Mascha und Laima unzertrennlich. Nach dem Kindergarten lief das Mädchen sofort zu dem Hund, erzählte ihr Geschichten, malte neben ihr Bilder. Laima lag einfach daneben und hörte zu.
Die Spannung in der Wohnung wuchs trotzdem. Sergej sagte nichts, aber jeder wusste, dass die Situation nicht ewig so bleiben konnte.
Dann kam der März.
An einem Sonntag gingen sie alle zusammen in den Hof spazieren. Die Schneehaufen am Straßenrand waren über den Winter riesig geworden. Mascha sah sofort einen besonders großen Haufen.
„Papa, schau mal! Ein Berg!“
„Mascha, geh da nicht hoch“, sagte Sergej.
Doch sie kletterte schon, lachte, rutschte, kletterte wieder. Mit der Furchtlosigkeit eines Kindes.
Sie erreichte den Gipfel, breitete die Arme aus und lachte laut. Und dann rutschte sie herunter – aber nicht zur Hofseite, sondern zur Straße.
Alles passierte in einer Sekunde.
Ein Auto kam um die Ecke. Zu schnell. Der Fahrer hatte das Kind nicht gesehen. Aljona schrie. Sergej rannte los. Aber sie waren zu weit weg.
Und in diesem Moment sprang Laima los.
Ohne ein Geräusch. Sie schoss von dem Gehweg auf die Straße, prallte mit voller Wucht gegen Mascha und stieß sie zurück in den Schnee, hinter den Bordstein.
Das Auto fuhr vorbei – vielleicht einen Meter entfernt.
Mascha saß im Schnee und blinzelte. Laima stand neben ihr und atmete schwer.
Sergej rannte zu seiner Tochter, fiel auf die Knie, nahm sie in die Arme. Dann stand er auf, ging zu dem Hund, kniete sich vor ihn in den nassen Schnee und nahm vorsichtig seinen Kopf in die Hände.
Er schwieg lange und sah ihm in die Augen.
Dann sagte er leise:
„Wo kommst du nur her…“
Laima seufzte und leckte ihm vorsichtig über die Wange.
Am Abend stellte Sergej eine Schüssel mit Fleisch vor den Hund. Er stand daneben und sah zu, wie sie fraß.
Als Aljona später in die Küche kam, sagte er nur einen Satz:
„Du kannst die Anzeige löschen. Sie wird nirgendwo hingehen.“
Aljona konnte nichts sagen.
Sergej sah aus dem Fenster und sagte ruhig:
„Jetzt ist sie zu Hause.“
Am nächsten Tag lag im Flur ein neues Halsband. Blau, mit einer glänzenden Schnalle.
Mascha band es Laima um den Hals, ganz vorsichtig, mit herausgestreckter Zunge vor Konzentration.
Aljona kniete sich neben den Hund und flüsterte:
„So ist das also. Jetzt bist du wirklich zu Hause.“
Laima leckte ihr über die Nase.
Sie hatte alles verstanden.

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