Heldentum am See: Wie Fremde ein Baby vor dem Ertrinken in Lake Michigan retteten


In Chicago, an einem scheinbar normalen Nachmittag am Belmont Harbor, verwandelte sich ein Spaziergang am Wasser plötzlich in einen lebensbedrohlichen Notfall – und zwar innerhalb von Sekunden. Ein kräftiger Windstoß erfasste den Kinderwagen eines acht Monate alten Babys und trieb ihn samt Kind direkt in das eiskalte Wasser des Lake Michigan hinein.

Das kleine Mädchen war mit dem Kinderwagen am Ufer unterwegs, als der Wind plötzlich auffrischte. Die Mutter oder die Betreuerin schaute nur einen Moment weg – genug Zeit, damit der Wagen über den Rand rollte und samt Baby in die Tiefe fiel. Die Schreie der Umstehenden hallten über den Pier, als die Szene sich vor ihren Augen abspielte.

Inmitten dieses Schocks reagierte ein 30‑jähriger Mann namens Lio Cundiff ohne zu zögern – obwohl er nicht einmal schwimmen konnte. Er hörte den Schrei, sah das Baby im Wasser und wusste sofort, dass er handeln musste. Ohne über die Risiken nachzudenken, warf er seinen Anruf bei seiner Tante weg, stürzte sich in das kalte Wasser des Sees und kämpfte gegen die eisigen Wellen an, um das Kind zu erreichen.

Cundiff kämpfte sich zur Mitte des Harbors vor, wo der Kinderwagen trieb. Obwohl der Wagen bereits Wasser aufgenommen hatte und schwer war, gelang es ihm, die Seite so anzuheben, dass das Baby nicht vollständig unterging. Er hielt das Kind über Wasser, während sein eigener Kampf mit der Kälte und der Erschöpfung begann.

Zum Glück eilte ihm bald Luis Kapost, ein zufälliger Beobachter und Pilot, zur Hilfe. Kapost war gerade in der Nähe und hatte gesehen, wie Cundiff sich der gefährlichen Situation auslieferte. Ohne zu zögern, warf er einem der beiden ein Jackenärmelende zu – sein Chicago Cubs‑Fan‑Jacke –, damit Cundiff nicht alleine gegen die Strömung ankämpfen musste. Die immer schwerer werdende Last und das unruhige Wasser machten diesen Moment besonders entscheidend.

Andere Menschen am Ufer griffen ebenfalls ein: Einige warfen Rettungsringe, andere riefen sofort den Notruf. Die Nanny des Babys half ebenfalls, den Wagen und das Kind langsam und vorsichtig aus dem Wasser zu ziehen. Nach scheinbar endlosen Minuten gelang es endlich, das Baby und die Helfer sicher an Land zu bringen.

Sanitäter eilten zur Szene und brachten sowohl das Kind als auch Cundiff und die Nanny ins Krankenhaus, wo sie untersucht wurden. Zu aller Erleichterung wurde das Mädchen zunächst in guter Verfassung gemeldet. Cundiff hingegen musste zur Beobachtung bleiben, da die körperliche Belastung und die Kälte seinen Puls stark in die Höhe getrieben hatten.

Cundiff selbst bleibt erstaunlich demütig angesichts seiner Tat. Obwohl viele ihn als Helden bezeichnen, sieht er sich eher als „zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort“ gewesen. Kapost hingegen lobte Cundiff ausdrücklich und nannte sein Handeln „das ultimative Beispiel dafür, dass jemand ohne zu zögern hilft – selbst wenn sein eigenes Leben auf dem Spiel steht“.

Diese dramatische Rettung erinnert daran, wie schnell aus einem ruhig wirkenden Moment am See ein gefährlicher Notfall werden kann – und wie wichtig es ist, zusammenzustehen. Die Reaktion der Umstehenden war ebenso beeindruckend: Jeder, der helfen konnte, tat es, egal wie klein der Beitrag war.

In einer Welt, in der schlechte Nachrichten oft dominieren, zeigt dieser Vorfall, wie menschliche Anteilnahme, Mut und spontane Zusammenarbeit Leben retten können. Ein Fremder sprang buchstäblich ins kalte Wasser, um das Unvorstellbare zu verhindern – und das Ergebnis war ein kleines Leben mehr, das weitergeht, dank der mutigen Entscheidungen in genau dem richtigen Moment.

Kommentare