🐾 Die Katze von Gleis 3 – Warten auf die Ewigkeit 🕰️🐱
Jeden Abend, Punkt 18:17 Uhr, erschien dieselbe weiß-graue Katze auf Gleis 3. Zuerst bemerkten die Pendler sie kaum – ein kleiner Schatten zwischen den Menschen, ein leises Geräusch von Pfoten auf Holz. Doch bald wurde klar: Sie war immer da.
Regen durchnässte ihr Fell, Schnee sammelte sich zwischen ihren Pfoten, der kalte Wind drückte gegen ihren kleinen Körper. Und dennoch – sie fehlte niemals. Tag für Tag, Stunde für Stunde, setzte sie sich auf die gleiche Holzbank, blickte in die Richtung der einfahrenden Züge und wartete.
Niemand verstand zunächst, warum. Einige Lächeln, manche Stirnrunzeln. „Eine streunende Katze,“ sagten die einen. „Vielleicht sucht sie nur Futter,“ die anderen. Doch die treuen Augen, die auf Gleis 3 gerichtet waren, schienen auf etwas anderes zu warten – auf jemanden, den nur sie kannte.
Eines Abends beschloss ein Zugbegleiter aus Neugier, alte Vorfallprotokolle zu prüfen. Vor genau drei Jahren hatte es hier auf diesem Bahnsteig einen medizinischen Notfall gegeben: Ein Mann mittleren Alters war plötzlich zusammengebrochen, während er auf den Zug um 18:17 Uhr wartete. Die Sanitäter hatten ihn schnell auf eine Trage gelegt und zum Krankenwagen gebracht, doch es war das letzte Mal, dass er den Bahnsteig sah.
Die alten Überwachungskamera-Aufnahmen zeigten etwas, das niemand erwartet hatte. Während die Sanitäter den Mann zum Wagen schoben, folgte eine kleine Katze jeder Bewegung. Sie schlängelte sich zwischen den Beinen hindurch, wollte nicht zurückbleiben, wollte sicherstellen, dass er in Sicherheit kam. Es war ihr Freund, ihr Mensch, der sie jeden Abend nach der Arbeit gefüttert hatte.
Seit jenem Tag kam die Katze weiterhin jeden Abend zur gleichen Zeit auf den Bahnsteig. Sie wartete nicht auf den Zug. Sie wartete nicht auf die Ankunft eines Zuges, nicht auf das Eintreffen anderer Menschen. Sie wartete auf ihn.
Die Bahnhofsmannschaft bemerkte die besondere Hingabe. Schließlich wurde unter der Holzbank eine kleine Metallplakette angebracht:
„Für eine Loyalität, die keine Zeit versteht.“
Die Pendler begannen, kleine Wasserschalen für die Katze aufzustellen. Manche setzten sich neben sie, teilten ihre Gegenwart, ohne ein Wort zu sprechen. Der Zug fuhr ein, die Türen öffneten sich und schlossen sich, Menschen stiegen ein und aus – doch die Katze blieb standhaft, Tag für Tag, Stunde für Stunde.
Die Geschichte von Gleis 3 ist mehr als nur die Geschichte einer Katze. Sie ist ein Zeugnis von Treue, Erinnerung und unerschütterlicher Bindung. Sie lehrt, dass wahre Loyalität keine Uhrzeit kennt, dass Liebe sich nicht durch Zeit und Entfernung messen lässt.
🕰️🐱 Auch wenn wir Menschen oft zu beschäftigt sind, um die kleinen Momente zu bemerken, zeigt uns dieses Tier, dass Geduld, Erinnerung und Treue die Welt auf eine Art bewegen können, die Worte kaum fassen können.
Die Katze wartet weiterhin. Jeden Tag, Punkt 18:17 Uhr. Nicht auf einen Zug. Nicht auf einen Menschen. Sondern auf ein Herz, das nie zurückkehrte – und auf die Erinnerung, die unsterblich bleibt.

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