„Von wem denn?“, zischten die Frauen am Brunnen.
„Wer weiß das schon, diese Luder! Still, bescheiden… und schau, wohin es sie geführt hat!“ – pflichteten andere bei.
„Die Töchter sind im heiratsfähigen Alter, und die Mutter läuft herum und treibt sich herum! Schande!“
Warja sah niemanden an. Kam von der Post, trug die schwere Tasche über der Schulter und hielt den Blick auf den Boden gerichtet. Nur ihre Lippen waren zusammengepresst. Hätte sie gewusst, worauf das hinausläuft – vielleicht hätte sie sich nicht in all das verwickeln lassen. Aber wie sollte sie wegsehen, wenn ihr eigenes Kind in Tränen zerfloss?
Alles begann jedoch nicht mit Warja, sondern mit ihrer älteren Tochter, Marischka.
Marischka war kein Mädchen, sie war ein Bild – eine Kopie ihres verstorbenen Vaters Semjon. Blond, blauäugig, schön. Das ganze Dorf schaute ihr nach. Katja, die jüngere, kam ganz nach Warja – dunkelhaarig, ernst, unscheinbar.
Warja liebte ihre Mädchen abgöttisch. Sie zog sie allein groß, arbeitete wie eine Verfluchte: tagsüber Postbotin, abends Stallarbeit. „Ihr müsst lernen!“, sagte sie immer. „Ich will nicht, dass ihr wie ich euer Leben in Dreck und mit einer schweren Tasche verbringt! Ihr müsst in die Stadt, unter Menschen!“
Marischka zog wirklich in die Stadt. Leicht, wie ein Vogel, der aus dem Nest springt. Sie wurde an einem Handelsinstitut aufgenommen, fiel dort sofort auf, schickte Fotos – mal im Restaurant, mal in einem schicken Kleid. Und ein Bräutigam tauchte auf. Nicht irgendwer, sondern der Sohn eines hohen Beamten. „Mama, er hat mir einen Pelzmantel versprochen!“, schrieb sie.
Warja freute sich. Katja runzelte die Stirn. Sie selbst blieb im Dorf und arbeitete als Hilfskraft im Krankenhaus. Wollte zur Krankenschwester werden, aber das Geld reichte nicht. Die Hinterbliebenenrente und Warjas Lohn gingen fast vollständig für Marischkas „städtisches Leben“ drauf.
Diesen Sommer kam Marischka zurück. Nicht wie sonst – laut, bunt, mit Geschenken. Sondern still, fahl. Zwei Tage verließ sie ihr Zimmer nicht. Am dritten Tag fand Warja sie weinend in ein Kissen vergraben.
„Mama… Mama… Ich bin verloren…“
Und dann die Wahrheit: Der „goldene“ Bräutigam hatte sie ausgenutzt und fallen gelassen. Und sie war im vierten Monat schwanger.
„Zu spät für eine Abtreibung! Wenn ich das Kind bekomme, werfen sie mich aus dem Institut! Mein Leben ist vorbei!“
Warja saß wie vom Blitz getroffen. „Und was jetzt? Ins Waisenhaus? Aussetzen?“
Ihr Herz brach. Das Enkelkind ins Heim?
In jener Nacht schlief Warja nicht. Ging wie ein Schatten durch das Haus. Am Morgen setzte sie sich zu Marischka aufs Bett.
„Es wird gehen“, sagte sie fest. „Wir schaffen das.“
„Wie denn?!“, schrie Marischka. „Alle werden es erfahren! Schande!“
„Niemand erfährt etwas“, schnitt Warja ab. „Wir sagen… er ist meiner.“
Katja hörte alles durch die dünne Wand. Sie presste das Kissen gegen ihr Gesicht und weinte – aus Mitleid für die Mutter und Ekel gegenüber der Schwester.
Einen Monat später reiste Warja „zur Tante“. Das Dorf tuschelte und vergaß. Ein halbes Jahr später kam sie zurück. Nicht allein. Mit einem Baby in blauer Decke.
„Schau, Katjuscha – dein Bruder… Mitjenka.“
Das Dorf schnappte nach Luft.
„Von wem? Vom Vorsitzenden?“
„Ach was, der ist zu alt! Vom Agronomen! Ein stattlicher Mann!“
Warja schwieg zu all dem Gerede. Das Leben begann von Neuem – und schwer. Mitjenka war unruhig, schrie viel. Warja fiel vor Erschöpfung fast um. Katja half schweigend: wusch Windeln, wiegte den „Bruder“. Doch in ihrem Inneren kochte alles – auch ihr Leben geriet durch all das ins Wanken. Wer wollte schon eine Braut, deren Mutter angeblich „rumlief“ und deren Bruder ein „Bastard“ war?
Marischka schrieb aus der Stadt. „Mama, ich vermisse euch! Kein Geld, aber bald schicke ich etwas!“
Das „Geld“ kam ein Jahr später – hundert Rubel und Jeans, die Katja zwei Nummern zu klein waren.
Warja schuftete weiter. Katja an ihrer Seite. Marischka schickte Fotos aus Ägypten und der Türkei. Fragte nie nach „dem Bruder“.



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