Das Waisenhaus der Schimpansen

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Monrovia – Als Jenny Desmond den kleinen Jack zum ersten Mal sah, saß der Schimpanse in einem Rucksack. Sein Fell war verfilzt und voller Ameisen. Ein Mann verlangte 300 Dollar für den Affen. 

Jenny Desmond rief Wildhüter um Hilfe. Sie beschlagnahmten das arme Tier, übergaben es der Biologin. Nun lebt Jack mit 16 anderen kleinen Schimpansen in Jenny Desmonds Affen-Waisenhaus.


Waisenhaus-Gründerin Jenny Desmond füttert zwei Äffchen mit der Flasche

Foto: Quelle liberiachimpanzeerescue

Mitten im Dschungel von Liberia (Westafrika) steht ein kleines Haus, in dem jeden Tag ab 17 Uhr die Affenbande tobt. Dann, wenn der „Schulbus“ die Baby-Schimpansen aus dem Reservat zurück in ihr Nachtlager bringt. 


Jeden Nachmittag bringen Helfer die kleinen Schimpansen aus dem Reservat zurück ins Haus

Jenny und Jim Desmond teilen Tisch, Stuhl und Bett mit den Baby-Schimpansen. Das Biologen-Paar aus den USA kam 2015 nach Liberia. Eigentlich sollten sie sich um ehemalige Labor-Affen kümmern: Die Schimpansen waren über Jahrzehnte bei Tierversuchen in einem Dschungellabor gequält worden, ehe man sie auf einer einsamen Insel aussetzte und sich selbst überließ (BILD berichtete).

Kaum im Land, bemerkten die Desmonds, dass die Virus-Affen nur eines von mehreren Problem waren. „Man drückte uns gleich nach unserer Ankunft zwei kleine Schimpansen in die Hand und bat uns, für sie Reservate außerhalb Liberias zu finden“, sagt Jenny Desmond.


BILD-Reporter Kai Feldhaus (l.) und sein neuer Freund Jack

7000 wilde Schimpansen leben noch im Dschungel Liberias. Eine der größten Population weltweit – und doch sind die Zahlen bedrohlich. „Die Population ist in 15 Jahren um 80 Prozent geschrumpft“, sagt Jenny Desmond.


Jedes Waisenäffchen hat eine menschliche Bezugsperson als „Ersatzmutter“

Auch wenn es mittlerweile verboten ist, werden in Liberia noch immer junge Schimpansen als Haustiere gehalten, bis sie zu groß und zu kräftig sind. Dann werden sie getötet oder ausgesetzt. Ein Überleben im Dschungel aber ist Schimpansen, die nur an Menschen gewohnt sind, unmöglich.

Tierarzt Jim Desmond operiert ein an der Pfote verletztes Schimpansen-Baby

Foto: Quelle liberiachimpanzeerescue

In kürzester Zeit sammelten die Desmonds, deren Ruf als Menschenaffen-Experten in Monrovia die Runde machte, kleine Schimpansen an. Die Tiere waren in Ketten und schäbigen Verschlägen gehalten worden, ehe Wildhüter sie beschlagnahmten. Manche Schimpansen waren an Touristen verhökert worden, die sie dann bei den Desmonds ablieferten.

Das Paar päppelte die Tiere wieder auf. Und beschloss, das Affen-Waisenhaus und ein eigenes Reservat zu gründen: Das Projekt „Liberia Chimpanzee Rescue and Protection (LCRP)“ war geboren. „Solche Schutzgebiete sind für das Überleben der Spezies absolut notwendig“, erklärt Jenny Desmond.


Nach der Operation erholt sich der kleine Affe auf dem Schoß seiner Ersatzmutter

Foto: Quelle liberiachimpanzeerescue

17 Schimpansen beherbergen sie nun. Der kleinste, ein Affenmädchen namens Poppy, ist gerade sechs Monate alt. Weil den Jungtieren die Nähe der Mutter fehlt, kümmert sich je eine menschliche Bezugspersonen um die kleinen Schimpansen. Auch die Nächte verbringen die Babys bei ihren „Ersatzmüttern“. In den Betten des Affenwaisenhauses wird es deshalb ziemlich voll.


Streicheleinheiten: Derzeit teilt Jenny Desmond ihr Haus mit 17 kleinen Menschenaffen

Morgens bringt der „Schulbus“, ein klappriger Toyota-Transporter, die Äffchen in ein abgezäuntes Reservat im Dschungel, wo sie gefüttert werden und den Tag über toben. 

70 000 Dollar kostet die Versorgung der 17 Tiere im Jahr. Um das zu finanzieren, riefen die Desmonds ein Programm ins Leben, über das man Patenschaften für einzelne Schimpansen übernehmen kann.


Zu ihren Pflegern entwickeln die Schimpansen ein enges Verhältnis

Foto: Quelle liberiachimpanzeerescue

Mit Hilfe der Spenden würden die Desmonds das Schutzgebiet gern erweitern. „Wir verhandeln gerade über ein Stück Wald“, sagt Jim Desmond. „Wir möchten dafür sorgen, dass diese Schimpansen ein erfülltes und glückliches Leben führen können.“

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