Tierheimalltag:





Heute Morgen hast du einfach dagestanden.

Ganz still, fast unsichtbar, im dichten Nebel, am Zaun unserer Außenanlagen, mitten auf unserem Parkplatz. Deine kleine Box stand schief auf dem kalten Beton, und irgendwo zwischen Angst, Verwirrung und tiefem Unwohlsein hast du darin gekauert.


Zugedeckt mit einer alten Wolldecke, die so durchnässt war wie du selbst…

Es war ein Anblick, der uns kurz den Atem nahm.

Nicht wegen dem, was wir gesehen haben – sondern wegen dem, was wir gefühlt haben.


Wir haben dich Fiedel getauft.

Ein Name, der sinnbildlich für „treu“ und „zuverlässig“ steht.

Und genau das strahlst du aus, trotz all dem, was du offenbar hinter dir hast.



Jetzt sitzt du in der Unterschale deiner Transportbox, in unserer warmen Küche.
Du drückst dich nicht mehr in die Ecke, aber du schaust immer wieder zur Tür. Als würdest du warten. 

Auf jemanden.
Auf einen vertrauten Schritt, ein bekanntes Gesicht… oder vielleicht einfach auf eine Erklärung, warum dein kleines Leben plötzlich auf den Kopf gestellt wurde.


Wie gerne würden wir dir sagen, dass es besser so ist.
Dass du jetzt sicher bist.
Dass du hier Menschen hast, die dich sehen und dich nicht im Stich lassen.


Aber das können wir dir nicht erklären.
Das kann nur die Zeit.
Und wir versprechen dir: Für dich beginnt jetzt eine gute Zeit. Eine sanfte Zeit. Eine faire Zeit.


Niemand muss ein Tier aussetzen.
Für dich hätte es sicher einen anderen Weg gegeben. Einen, der würdiger und liebevoller gewesen wäre als dieser.
Aber nun ist es so – und wir machen das Beste daraus. Für dich.
Weil nicht alles Verständnis verdient…
aber jeder Glück.



Und genau dieses Glück wirst du finden. Schritt für Schritt.
Mit einem warmen Platz, mit Menschen, die dich umsorgen, und mit dem Wissen, dass du nie wieder so im Nebel stehen musst wie heute Morgen.


Von Vermittlungsanfragen sehen wir vorerst ab.
Fiedel darf erstmal ankommen, zur Ruhe kommen, Vertrauen fassen.
Wenn die Zeit reif ist, werden wir ihn in die Vermittlung aufnehmen. Bis dahin bekommt er alles, was er braucht – und ein kleines bisschen mehr.

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