Die Familie ist das Wichtigste, was du hast.

Solange Sanka sich erinnern konnte, lebte er bei seinem Großvater Jegor und seiner Großmutter. Seine Eltern wohnten auf der anderen Seite des Dorfes, aber er empfand deren Haus nicht als sein Zuhause, sondern als jene warme, einfache Ecke, in der stets der Duft von frischem Brot und Heu lag und wo ihm sein strenger, aber gerechter Großvater das Leben lehrte. 


Seine Mutter hatte längst eine neue Familie gegründet, und der Junge verbrachte immer mehr Zeit bei dem alten Paar. Der neue Mann seiner Mutter war distanziert, und Sanka fühlte sich dort wie ein Außenseiter. Deshalb kehrte er nach jedem kurzen Besuch wie zur Erlösung zu seinen Großeltern zurück.


Großvater Jegor war ein Mann, auf den man sich verlassen konnte. Er schrie nicht und erhob nicht die Hand, aber er konnte es so deutlich sagen, dass die Scham in seinem Herzen mehr brannte als jede Strafe. Er lehrte seinen Enkel, früh aufzustehen, im Haushalt mitzuhelfen und zu bedenken, dass Faulheit im Dorf nicht verziehen wird. Wenn er etwas versprach, hielt er es ohne zu zögern. Unter dieser Erziehung wuchs Sanka zu einem vernünftigen und fleißigen Jungen heran.


Als er vierzehn wurde, rannte er mit den Nachbarskindern zum Fluss und ließ seine Großmutter mit der Hausarbeit allein. Sein Großvater merkte schnell, dass etwas nicht stimmte, und stellte seinen Enkel eines Morgens früh zur Rede.

„Halt, du Zappelphilipp!“, sagte er und versperrte ihm den Weg. „Hast du alles zu Hause erledigt? Oder schafft Oma das allein?“


Sanka wurde rot, senkte den Kopf und flüsterte kindlich, es sei seine Schuld. Sein Großvater ließ ihn gehen, sagte ihm, er solle alles in Ordnung bringen und dann angeln gehen. So lernte der Junge eine weitere wichtige Lektion: Erst arbeiten, dann ausruhen.


Die Jahre vergingen wie im Flug. Nach dem Militärdienst kehrte Sanka in sein Heimatdorf zurück, fand Arbeit als Traktorfahrer und kaufte sich bald ein kleines Haus. Dort lernte er Alena kennen, ein ruhiges, bescheidenes Mädchen aus einer großen Familie. Sie waren sechs Monate zusammen und heirateten dann. 

Ein Jahr später wurde eine Tochter geboren, und das Haus war erfüllt von Glück. Die Alten freuten sich so sehr über ihre Urenkelin wie die Sonne, und Großvater Jegor bastelte ihr eigenhändig Spielzeug: eine hölzerne Puppenwiege, geschnitzte Tiere. Eines Abends beschloss Großvater, seinen Enkeln eine neue Holzschaukel zu bringen, die er gerade fertiggestellt hatte. Als er das Haus betrat, sah er Alena, die sich die Tränen abwischte.

„Na los, Alena, erzähl mir, was passiert ist?“, fragte er stirnrunzelnd.
Das Mädchen gestand: Sanka trieb sich mit seinen Freunden herum, blieb bis spät in die Nacht draußen, und heute hatte er sogar das ganze Geld ausgegeben, das sie für ein neues Badehaus gespart hatten.Großvater seufzte schwer, ging auf die Veranda und setzte sich zum Warten. Sanka kam spät in der Nacht, seine Schritte unsicher. Als er Großvater sah, wurde er verlegen und senkte sofort den Blick.


„Da bist du ja, du Lebemann“, sagte Großvater und packte ihn am Kragen. „Du hast eine Familie – jetzt respektiere sie! Kümmere dich um deine Frau.“ „Halte den Haushalt zusammen! So habe ich dir das nicht beigebracht!“
Sanka flehte schuldbewusst um Verzeihung und versprach, es sei das letzte Mal. Großvater schrie nicht – er sagte nur bestimmt, ruhig und eindringlich:

„Die Familie ist das Wichtigste, was du hast. Verschwende sie nicht, und du wirst es dein Leben lang bereuen. Denk an meinen Rat.“
Sanka vergaß diese Nacht nie. Von da an irrte er nicht mehr ziellos umher, half mehr im Haushalt und kümmerte sich aufmerksamer um seine Frau. Und Jegors Worte wurden fortan zu einem unumstößlichen Gesetz für ihn:
„Führe den Haushalt, kümmere dich um deine Frau.“
Und Sanka war seinem weisen Großvater für immer dankbar.

 

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