Falsche Tierliebe: Wanderer nehmen immer häufiger Wildkatzen mit

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Foto: unsplash.com/Simone Scholten (Symbolfoto)

Sie scheinen auf den ersten Blick genau so süß und harmlos wie Hauskatzen: Wildkatzen. Besonders junge Tiere werden aktuell von Spaziergänger im Harz vermehrt aufgelesen und mitgenommen. Dabei ist das verboten – und erschwert den Tieren das spätere Leben. 

Daniela Klocke (46) rettet Wildtiere in Not im Harz. Allein 2019 hat sie – gemeinsam mit ihren ehrenamtlichen Mitarbeitern – über 400 Wildtiere in ihrer Station in Ballenstedt aufgenommen.

Und die Chancen stehen gut, dass es in diesem Jahr noch mehr werden… Denn auch im Harz zeigt sich aktuell im Besucheransturm der diesjährige Boom vom Heimaturlaub. Wegen der Corona-Pandemie sind viele Wanderer in den Wäldern unterwegs. Und einige fahren mit einem – illegalen! – tierischen Mitbringsel zurück nach Hause.


In diesem Sommer werden die Tierretter nämlich besonders häufig für Wildkatzen gerufen, die Wanderer einfach mitgenommen haben: doppelt so oft als sonst im ganzen Jahr. „Spätestens, wenn die Leute nach einer Woche merken, dass sich die vermeintlichen Hauskätzchen noch immer wild gebärden, bitten sie uns um Hilfe“, sagt Daniela Klocke gegenüber der „Bild“. Ihr Mitarbeiter Michael Hartrott ergänzt: „Leider ist es oft zu spät, sind die Wildkatzen entweder durch handelsübliche Katzenmilch geschädigt oder durch den engen Kontakt mit Menschen nicht mehr auszuwildern.“
Wildkatzen lassen sich nicht zähmen

Häufig entdecken Spaziergänger die jungen Wildkatzen auf einem der Wanderwege im Harz. Michael Hartrott zufolge passiere das vor allem, wenn die Muttertiere jagen und die Jungen alleine ihre Umgebung erkunden. Auch wenn die vermeintliche Rettungsaktion nur gut gemeint ist, die Wildtier-Retter bitten: „Lasst die Kätzchen, wo sie sind!“

Auch in den kommenden Monaten könnte es weiter zur illegalen „Adoption“ von Wildkatzen im Harz kommen, fürchten die Wildtierretter. Denn Wildkatzen bekommen im Mai und Herbst Nachwuchs – „die zweite Welle steht also noch bevor“. Besonders, wenn dann Corona-bedingt immer noch so viele Wanderer in den Wäldern im Harz unterwegs sind.
Wildtierhilfe Harz warnt: Wildkatzen einfach mitzunehmen ist verboten

Der „Klein- und Wildtierhilfe e.V.“ weist auch auf seiner Website deutlich darauf hin: „Alle Wildtiere sind grundsätzlich geschützt – eine Aneignung grundsätzlich verboten!“ Eine Ausnahme bestehe nur bei verletzten oder kranken Tiere. Diese dürfe man aufnehmen, um sie gesund zu pflegen.

Der Verein bittet Finder aber, das verletzte Wildtier oder verlassene Jungtier schnellstmöglich an entsprechend versierte Pflegestellen weiterzugeben. „Trotz bester Absichten kommen viele Findlinge schlicht durch Unkenntnis des Finders ums Leben.“

Die Aufzucht und eventuelle medizinische Versorgung von Wildtieren sei schwierig und erfordere spezielles Fachwissen. So erkennst Du, ob eine Wildkatze Deine Hilfe braucht:
verletztes oder offensichtlich krankes Tier
wenn das Tier von Katze oder Hund angeschleppt wurde
Jungtiere, die außerhalb des Nestbereichs hin und her „laufen“ und schreien oder laut quieken, obwohl sie offensichtlich in einem Entwicklungsstadium sind, in dem sie noch im Nest liegen müssten (Augen noch nicht ganz geöffnet, kann noch nicht richtig laufen)
Wildkatze oder Hauskatze: Das ist der Unterschied

Die Europäische Wildkatze ist äußerst scheu gegenüber Menschen und gilt als nicht zähmbar. In Deutschland leben 10.000 Paare, allein 1.000 davon im Harz. Wildkatzen haben längere Beine im Verhältnis zu ihrem Körper als Hauskatzen. Ihr Körper ist massiger, der Schwanz meist kurz und relativ dick. Ein weiteres Erkennungsmal ist der schwarze Strich im Fell, der sich bei vielen Wildkatzen auf dem Rücken bis zur Schwanzwurzel zieht.

Hauskatzen ernähren sich hauptsächlich von Kleintieren und Wasser – deshalb dürfen sie niemals mit Milch gefüttert werden! Selbst wenn eine Wildkatze in Gefangenschaft geboren wird, kann sie sich nicht an den Menschen gewöhnen und lässt sich nie freiwillig von Menschen berühren.

Die größte Bedrohung stellt für Wildkatzen die Zerstückelung ihres Lebensraums dar. Ihr Lebensgebiet, der Wald, muss immer wieder für Straßen, Wohngebiete oder ausgedehnte Agrarflächen weichen.

Experten fordern deshalb einen besseren Schutz von Wildkatzen. Sie wollen die aktuellen Lebensräume von Wildkatzen in Deutschland mit einem grünen Korridor aus Büschen und Bäumen verbinden.



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